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Übersichtsarbeiten und Bewertungen nationaler und internationaler Gremien

Der Zusammenhang zwischen männlicher Fruchtbarkeit und elektromagnetischen Feldern von Handys wird bereits seit über zehn Jahren intensiv untersucht. Die bisher vorliegenden wissenschaftlich publizierten Arbeiten wurden von einigen Autoren zusammengefasst und von nationalen und internationalen Gremien bewertet.

Bewertung internationaler Gremien

Organisationen wie die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP [1]), die Weltgesundheitsorganisation (WHO [2]), das Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR [3]) der EU, die britische Health Protection Agency (HPA [4]), der schwedische Scientific Council on Electromagnetic Fields (SSM [5]) sowie die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK [6]) kommen dabei einheitlich zu dem Schluss, dass viele Studien negative Einflüsse zeigen. Sie sind aber widersprüchlich, durch erhebliche methodische Mängel belastet und geben keine ausreichenden Informationen zu methodischen und technischen Aspekten und zur tatsächlichen Stärke der elektromagnetischen Felder. Deshalb können aus diesen Studien keine belastbaren Schlüsse gezogen werden. Auf gar keinen Fall sind sie als Nachweis negativer Effekte elektromagnetischer Felder auf die Fruchtbarkeit zu werten.

Studien, die qualitativen Ansprüchen genügen, zeigen überwiegend keine Effekte

Die wenigen Studien, die den qualitativen Ansprüchen einer guten wissenschaftlichen Praxis entsprechen, zeigen überwiegend keine Effekte. ICNIRP, WHO und HPA ziehen aus diesen Tatsachen den Schluss, dass weitere Forschung auf diesem Gebiet gerechtfertigt ist, sie wird aber nicht mit hoher Priorität empfohlen. Die SSK stützt sich demgegenüber auf die Ergebnisse aus dem Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm, die keine negativen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Reproduktion zeigen, und sieht keinen weiteren Forschungsbedarf.

Einzelne Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen

Einzelne Wissenschaftler, die Übersichtsarbeiten publizierten, kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

La Vignera et al. [7] fassen die vorliegenden Ergebnisse zusammen, ohne sie zu kommentieren und zu bewerten.

Agarwal et al. [8] und Kesari et al. [9] stützen sich überwiegend auf eigene Forschungsergebnisse und postulieren einen starken negativen Einfluss elektromagnetischer Felder auf die Fruchtbarkeit.
Adams et al. [10] schließen aus einer Meta-Analyse von Laborstudien an menschlichen Spermien, dass eine Exposition mit Handys die Spermienqualität negativ beeinflusst. Dabei wurden auch Studien berücksichtigt, die nicht peer-reviewed publiziert wurden, und solche die weit oberhalb der Grenzwerte durchgeführt wurden und thermische Effekte zeigen.
Liu et al. [11] schlussfolgern aufgrund einer quantitativen Meta-Analyse ausgewählter Publikationen, dass aktuelle Studien auf einen schädlichen Einfluss der Exposition durch Handys hindeuten und fordern weitere Forschung.

Naziroglu et al. [12] kommen zum Schluss, dass elektromagnetische Felder oxidativen Stress in den reproduktiven Organen von Tieren verursachen, der zu einer Beeinträchtigung der Fertilität führen kann. Bisher gibt es dafür aber keinen Nachweis, daher ist weitere Forschung nötig.

Houston et al. [13] haben 27 Studien ausgewertet. Die Mehrzahl davon kommt zu dem Ergebnis, dass elektromagnetische Felder die männlichen Reproduktionsorgane schädigen und vor allem zu verminderter Lebensfähigkeit und Beweglichkeit von Spermien, oxidativem Stress und DNA Schädigung führen. Aspekte der Studienqualität, wie z.B. Expositionsanlagen und Verblindung, wurden nicht betrachtet.

Merhi [14] kommt in einer kritischen und bewertenden Übersichtsarbeit ähnlich wie die internationalen Gremien zu dem Ergebnis, dass die vorliegenden Arbeiten widersprüchlich sind und weitere Forschung notwendig ist.

Literatur

[1] ICNIRP (2009) Exposure to high frequency electromagnetic fields, biological effects and health consequences (100 kHz-300 GHz) - Review of the Scientific Evidence and Health Consequences. Munich: International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection

[2] WHO (2010). WHO Research Agenda for Radiofrequency Fields.

[3] SCENIHR (2015) Opinion on Potential health effects of exposure to electromagnetic fields (EMF).H

[4] HPA (2012) Health effects from radiofrequency electromagnetic fields. Report of the Advisory Group on Non-ionising Radiation. Documents of the Health Protection Agency

[5] SSM (2016) Recent Research on EMF and Health Risk - Eleventh report from SSM’s Scientific Council on Electromagnetic Fields

[6] SSK (2011) Biologische Auswirkungen des Mobilfunks - Gesamtschau - Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

[7] La Vignera S, Condorelli RA, Vicari E, D'Agata R, Calogero AE (2011) Effects of the exposure to mobile phones on male reproduction: A review of the literature. J. An-drol. 33(3): 350 - 356]

[8] Agarwal A, Singh A, Hamada A, Kesari K (2011) Cell phones and male infertility: a review of recent innovations in technology and consequences. Int. Braz. J. Urol. 37(4): 432 – 454

[[9] Kesari KK, Kumar S, Nirala J, Siddiqui MH, Behari J (2012) Biophysical evaluation of radiofrequency electromagnetic field effects on male reproductive pattern. Cell Biochem Biophys. 56(2): 85 - 96

[10] Adams JA, Galloway TS, Mondal D, Esteves SC, Mathews F (2014) Effect of mobile telephones on sperm quality: A systematic review and meta-analysis. Environ Int. 70: 106 - 112

[11] Liu K, Li Y, Zhang G, Liu J, Cao J, Ao L, Zhang S (2014) Association between mobile phone use and semen quality: a systemic review and meta-analysis. Andrology 2(4): 491 - 501

[12] Nazıroğlu M, Yüksel M, Köse SA, Özkaya MO (2013) Recent reports of Wi-Fi and mobile phone-induced radiation on oxidative stress and reproductive signaling pathways in females and males. J Membr Biol. 246(12): 869 - 875.

[13] Houston B, Nixon B, King BV, De Iuliis G, Aitken RJ (2016) The effects of radiofrequency electromagnetic radiation on sperm function. Reproduction 152: R263 - R276.

[14] Merhi ZO (2012) Challenging cell phone impact on reproduction: A Review. J. Assist. Reprod. Genet. 29(4): 293 – 297

Stand: 26.04.2017

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