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Bundesamt für Strahlenschutz ist Kooperationszentrum der WHO

Als internationales Kooperationszentrum (Collaborating Centre; CC) unterstützt das BfS aktiv die Arbeit der WHO in acht Aufgabenfeldern:

  • Strahlenrisiken im Bereich niedriger Dosen
  • Notfallschutz
  • elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder
  • optische Strahlung
  • Radon
  • medizinische Strahlenexposition
  • Entwicklung und Umsetzung von Standards und Leitlinien
  • Risikokommunikation.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bauen ihre Zusammenarbeit zum Schutz vor ionisierender und nichtionisierender Strahlung weiter aus. Im Jahr 2018 benannte die Weltgesundheitsorganisation das BfS erneut als anerkanntes internationales Kooperationszentrum (Collaborating Centre, CC).

In dieser Funktion unterstützt das BfS aktiv die Arbeit der WHO. BfS und WHO arbeiten im Rahmen des CC-Programms in acht Aufgabenfeldern zusammen.

Strahlenrisiken im Bereich niedriger DosenEinklappen / Ausklappen

Als WHO-Kooperationszentrum unterstützt das BfS die WHO dabei, Forschungsarbeiten zu gesundheitlichen Wirkungen und Risiken von niedrig dosierten Strahlenbelastungen international zu initiieren und zu koordinieren. In der Europäischen Union (EU) beteiligt sich das BfS zentral an der Plattform MELODI (Multidisciplinary European Low Dose Initiative). Hier stellt es derzeit den Präsidenten. Zu MELODI haben sich europäische Strahlenschutzbehörden und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen mit dem Ziel, die entsprechenden Forschungsaktivitäten langfristig zu koordinieren. Dazu entwickelt MELODI einen langfristig angelegten strategischen Forschungsplan kontinuierlich fort. Das BfS ist in der entsprechenden Arbeitsgruppe daran maßgeblich beteiligt.

MELODI wurde von den von der EU geförderten Vorhaben DoReMi (Low Dose Research towards Multidisciplinary Integration) sowie OPERRA (Open Project for European Radiation Research Area) dabei unterstützt, im europäischen Rahmen eine Dachstruktur zu schaffen, die langfristig ein europäisches Forschungsprogramm im Strahlenschutz koordinieren kann.

Hier hat MELODI neben seiner Verantwortung für den Bereich "Wirkung niedriger Dosen" auch die Federführung für die Etablierung der Dachstruktur übernommen und entsprechende Vereinbarungen mit den Forschungsplattformen ALLIANCE, NERIS, EURADOS und EURAMED getroffen. Die in OPERRA durchgeführten Arbeiten sind eine wichtige Grundlage für die Durchführung des Vorhabens CONCERT.

Das BfS ist Koordinator des europäischen Vorhabens CONCERT (European Joint Programme for the Integration of Radiation Protection Research), das die Forschung zu niedrigen Dosen im Bereich Strahlenschutz in Europa und in den Mitgliedsstaaten der EU über ein gemeinsam finanziertes Forschungsprogramm koordiniert. Teil dieses Forschungsprogramms sind medizinische Fragestellungen im Niedrigdosisbereich, die für die WHO von großem Interesse sind.

Durch die Zusammenarbeit von BfS und WHO werden die Ziele der europäischen Initiative MELODI sowie der EU-Vorhaben DoReMi, OPERRA und CONCERT auch global verfolgt.

Ferner kann das BfS die WHO gezielt über die vielfältigen bestehenden Vernetzungen unterstützen. Hierzu bestehen auch intensive Kontakte mit den einschlägigen Programmen in USA und Japan. Auf den jährlichen MELODI Workshops intensivieren internationale Strahlenschutzbehörden und Forschungseinrichtungen die internationale Zusammenarbeit. Das BfS ist teilweise an der Vorbereitung dieser Workshops beteiligt und arbeitet hier eng mit der WHO zusammen.

Notfallschutz Einklappen / Ausklappen

Als WHO-Kooperationszentrum unterstützt das BfS die WHO auch im Bereich des Notfallschutzes für nukleare und radiologische Notfälle.

Im Falle eines Notfalls wird das BfS die WHO bei deren Aktivitäten im Zusammenhang mit gesundheitlichen und medizinischen Aspekten sowie der Abschätzung der radiologischen Folgen unterstützen. Das BfS bringt dabei seine Expertise bei der Risikobewertung, dem Risikomanagement, bei der Erstellung eines radiologischen Lagebilds und den sich daraus ergebenden Empfehlungen für Schutzmaßnahmen ein. Außerdem wird das BfS die WHO unterstützen bei der Krisenkommunikation und der psycho-sozialen Bewältigung eines Notfalls.

Ein wesentlicher Baustein des Notfallschutzes ist die Ermittlung der Dosis der betroffenen Bevölkerung. Das BfS verfügt über umfangreiche Erfahrung und spezielle Computerprogramme zur Abschätzung der Strahlenbelastung der Bevölkerung, sowohl für die bereits im Laufe eines Unfallablaufs erhaltene Dosis, wie auch für die noch zukünftig zu erwartende Dosis.

Neben diesen Methoden spielt auch die biologische Dosimetrie eine wichtige Rolle. Im Hinblick darauf arbeitet das BfS mit beim Auf- und Ausbau des globalen Biodosimetrie-Netzwerkes BioDoseNet. Mithilfe der biologischen Dosimetrie kann anhand von Blutproben die Strahlendosis bestimmt werden, der eine Person ausgesetzt war. Die Bestimmung der Strahlendosis ist unter anderem bei nicht geplanten, unfallartigen Expositionssituationen wichtig. Das BfS betreibt in seiner Dienststelle München in Neuherberg das Referenzlabor für biologische Dosimetrie in Deutschland.

Als Folge der weltweiten Gefährdung durch radiologische oder nukleare Notfälle (wie zum Beispiel einen Anschlag mit einer "schmutzigen Bombe“ oder einen Reaktorunfall wie in Fukushima) muss das BfS darauf vorbereitet sein, die individuellen Strahlenbelastungen einer großen Anzahl Personen abzuschätzen, damit geeignete medizinische Maßnahmen ergriffen werden können. Dazu muss das BfS nicht nur die Auswertekapazität im eigenen Labor steigern, sondern auch dafür sorgen, im Einsatzfall durch andere Labore im In- und Ausland unterstützt zu werden.

Im BioDoseNet-Netzwerk der WHO arbeiten deshalb seit 2008 Labore für biologische Dosimetrie eng zusammen. Dadurch sind sie auf mögliche große Strahlenunfälle optimal vorbereitet und können sich bei der biologischen Dosisabschätzung betroffener Personen gegenseitig helfen. Mit der gleichen Zielsetzung beteiligt sich das BfS an der Assoziation RENEB e.V (Running the European Network of Biological and Retrospective Physical Dosimetry), wo es derzeit den Vorsitz innehat. Viele Mitglieder in RENEB sind auch Mitglieder im BioDoseNet. Durch diese Vernetzung und die Kooperationen wird BioDoseNet in Europa gestärkt.

Das Netzwerk dient außerdem dazu, die Techniken zur Biodosimetrie zu verbessern und zu vereinheitlichen sowie in allen beteiligten Ländern eine vergleichbare Ausbildung sicherzustellen. Auch Länder, die selbst keine biologische Dosimetrie durchführen können, werden durch die am Netzwerk beteiligten Labore unterstützt.

Elektrische, magnetische und elektromagnetische FelderEinklappen / Ausklappen

Im EMF-Projekt bewertet die WHO die gesundheitlichen Wirkungen von elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern (EMF). Daraus entwickelt sie Empfehlungen für die Mitgliedstaaten und die Bevölkerung zum Gesundheitsschutz und zur Vorsorge hinsichtlich elektromagnetischer Felder. Das BfS als WHO-Kooperationszentrum arbeitet hierbei auf vielfache Weise zu. So berücksichtigte u.a. das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) die Forschungsagenda der WHO. Die Ergebnisse des DMF wurden in das EMF-Projekt eingebracht und können so bei der bevorstehenden Risikobewertung berücksichtigt werden. Das EHC-Dokument der WHO (EHC: Environmental Health Criteria) zu hochfrequenten Feldern ist derzeit in Bearbeitung.

In ähnlicher Weise werden auch die Ergebnisse des im Jahr 2017 initiierten begleitenden Forschungsprogramms zum Stromnetzausbau bei dem jährlich stattfindenden International Advisory Committee (IAC)-Meeting der WHO vorgestellt werden. Die zukünftigen Ergebnisse des Programms werden in die kontinuierliche Aktualisierung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes einfließen.

Optische StrahlungEinklappen / Ausklappen

Im Rahmen des INTERSUN-Programms bewertet die WHO gesundheitliche Wirkungen der UV-Strahlung und empfiehlt Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Das BfS unterstützt die WHO bei der Erarbeitung von Papieren, die im Rahmen des INTERSUN-Programms von der WHO veröffentlicht werden. Informationsmaterialien, die das BfS bezüglich der UV-Strahlung, deren Wirkung und des UV-Schutzes erarbeitet, werden der WHO vorgestellt und bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Ferner unterstützt das BfS die WHO bei der Entwicklung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen wie etwa dem UV-Index.

Die zunehmende Anwendung optischer Strahlung im Wellness-Bereich wird in Zukunft ein weiterer Schwerpunkt im Rahmen der bestehenden Kooperation mit der WHO sein.

RadonEinklappen / Ausklappen

Auch beim Schutz vor Radon ist das BfS wichtiger Ansprechpartner der WHO. Das natürlich vorkommende radioaktive Edelgas Radon ist nach dem Rauchen der zweitwichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs. Im International Radon Project der WHO entwickelte das BfS als Kooperationszentrum deshalb Strategien, wie die Bevölkerung über die vordringlich in Gebäuden auftretende Radonbelastung informiert und davor geschützt werden kann.

Aus dem "International Radon Project" ist unter anderem das WHO-Handbuch zu Radon hervorgegangen, in dem die weltweit vorliegenden Erkenntnisse zum radonbedingten Lungenkrebsrisiko gesichtet und bewertet wurden. Daraus wurden Vorschläge für Referenzwerte zur Radonkonzentration in Häusern abgeleitet. Außerdem werden in dem Handbuch Hinweise zum Schutz vor Radon gegeben sowie Grundzüge einer Risikokommunikation für Radon aufgezeigt.

Die Radonbelastung in Gebäuden kann durch bauliche Maßnahmen minimiert werden. Das BfS tritt daher dafür ein, den Schutz vor Radon in die Liste der Kriterien für nachhaltiges Bauen aufzunehmen. Aus dem EU-Projekt RADPAR (Radon Prevention and Remediation) sind umfangreiche Empfehlungen zu Vorsorgemaßnahmen im Bereich Radon entwickelt worden, die auch von der WHO genutzt werden. In dem aktuell laufenden europäischen Forschungsprojekt MetroRADON setzt sich das BfS für die Qualitätssicherheit von Radonmessungen bei niedrigen Konzentrationen im Bereich der Referenzwerte in Europa ein. Zusätzlich arbeitet das BfS an der Verbesserung und Harmonisierung von Werkzeugen zur Erfassung von Regionen, in denen überdurchschnittlich viel Radon vorkommt.

Medizinische StrahlenexpositionEinklappen / Ausklappen

Mit der Global Initiative on Radiation Safety in Health Care Settings will die WHO weltweit zur Verbesserung des Strahlenschutzes in der Medizin beitragen und insbesondere die medizinische Strahlenexposition verringern. Das BfS unterstützt diese Initiative, indem es bei der Entwicklung und Umsetzung entsprechender Strategien mitwirkt.

Dabei soll insbesondere das Prinzip der "Rechtfertigenden Indikation" gestärkt werden, um unnötige Strahlenanwendungen so weit wie möglich zu vermeiden. Unter der "Rechtfertigenden Indikation" versteht man die kritische Nutzen-Risiko-Abwägung in jedem Einzelfall (siehe zum Beispiel Nutzen und Risiko der Röntgendiagnostik) durch den verantwortlichen Radiologen.

Entwicklung und Umsetzung von Standards und LeitlinienEinklappen / Ausklappen

Eine der sechs grundlegenden Aufgaben der WHO ist die Entwicklung und Fortschreibung evidenzbasierter Normen und Vorschriften. Entsprechend sind dafür auch Empfehlungen für deren Umsetzung zu verfassen. Ein Beispiel dafür ist die Trinkwasserrichtlinie der WHO, die auch einen Abschnitt zu radiologischen Aspekten enthält. Das BfS unterstützt hier die WHO bei der Erarbeitung von Vorschriften und Empfehlungen.

RisikokommunikationEinklappen / Ausklappen

Risikokommunikation ist ein unerlässlicher Bestandteil des Strahlenschutzes. In diesem Bereich bringt das BfS seine Expertise aus den Bereichen Psychologie, Sozial- und Kommunikationswissenschaften ein. Das BfS unterstützt die WHO darin, die Risikowahrnehmung und das Verhalten in verschiedenen Anwendungsbereichen des Strahlenschutzes zu ermitteln. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten untersucht, die Risiko- und Wissenschaftskommunikation mit der Bevölkerung zu verbessern. Dies geschieht sowohl anhand der Übertragung vorhandener Erkenntnisse zum Beispiel aus den Bereichen des Gesundheitsverhaltens, der Kognitionspsychologie und der Risikowahrnehmungsforschung auf den Strahlenschutz, als auch durch eigens initiierte Forschung.

Das BfS unterstützt die WHO konkret bei der Erstellung von Materialien zu verschiedenen Strahlenthemen, die auf die Risikowahrnehmung, das Risikoverhalten und Empfehlungen für die Risikokommunikation eingehen. Es trägt dazu bei, Leitfäden für eine gute Risikokommunikation sowie Lehrmaterialien zu erstellen.

Stand: 29.03.2018

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