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Bundesamt für Strahlenschutz ist Kooperationszentrum der WHO

Als internationales Kooperationszentrum (Collaborating Centre; CC) unterstützt das BfS aktiv die Arbeit der WHO in sieben Aufgabenfeldern:

  • Strahlenrisiken im Bereich niedriger Dosen
  • Netzwerk zur biologischen Dosimetrie
  • elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder
  • optische Strahlung
  • Radon
  • medizinische Strahlenexposition
  • Entwicklung und Umsetzung von Standards und Leitlinien.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bauen ihre Zusammenarbeit zum Schutz vor ionisierender und nichtionisierender Strahlung weiter aus. Mit Beginn des Jahres 2014 benannte die Weltgesundheitsorganisation das BfS erneut als anerkanntes internationales Kooperationszentrum (Collaborating Centre, CC).

In dieser Funktion unterstützt das BfS aktiv die Arbeit der WHO. BfS und WHO arbeiten im Rahmen des CC-Programms in sieben Aufgabenfeldern zusammen.

Strahlenrisiken im Bereich niedriger DosenEinklappen / Ausklappen

Als WHO-Kooperationszentrum unterstützt das BfS die WHO dabei, Forschungsarbeiten zu gesundheitlichen Wirkungen und Risiken von niedrig dosierten Strahlenbelastungen international zu initiieren und zu koordinieren. In der Europäischen Union (EU) beteiligt sich das BfS zentral an der Plattform MELODI (Multidisciplinary European Low Dose Initiative). MELODI ist ein Zusammenschluss europäischer Strahlenschutzbehörden und Forschungseinrichtungen und hat das Ziel, die entsprechenden Forschungsaktivitäten langfristig zu koordinieren. Dazu entwickelt MELODI einen langfristig angelegten strategischen Forschungsplan. Das BfS leitet die entsprechende Arbeitsgruppe. Weiterhin arbeitet das BfS im Forschungsnetzwerk DoReMi (Low Dose Research towards Multidisciplinary Integration) mit, das von der EU gefördert wird und bis Ende 2015 befristetet ist. Eine Aufgabe von DoReMi ist die Unterstützung beim Aufbau von MELODI.

Ferner leitet das BfS das Arbeitspaket "Integration europäischer und nationaler Forschungs- und Ausbildungsprogramme" des bis 2017 laufenden EU-Vorhabens OPERRA (Open Project for European Radiation Research Area). Über diese vielfältige Vernetzung kann das BfS die WHO gezielt unterstützen.

Das BfS ist Koordinator des europäischen Vorhabens CONCERT (European Joint Programme for the Integration of Radiation Protection Research), das die Forschung zu niedrigen Dosen im Bereich Strahlenschutz in Europa und in den Mitgliedsstaaten der EU über ein gemeinsam finanziertes Forschungsprogramm koordiniert. Teil dieses Forschungsprogramms sind medizinische Fragestellungen im Niedrigdosisbereich, die für die WHO von großem Interesse sind.

Andererseits werden durch die Zusammenarbeit von BfS und WHO die Ziele der europäischen Initiative MELODI sowie der EU-Vorhaben DoReMi, OPERRA und CONCERT auch global verfolgt. Hierzu bestehen intensive Kontakte mit den einschlägigen Programmen in USA und Japan. Auf den jährlichen MELODI Workshops intensivieren internationale Strahlenschutzbehörden und Forschungseinrichtungen die internationale Zusammenarbeit. Das BfS ist teilweise an der Vorbereitung dieser Workshops beteiligt und arbeitet hier eng mit der WHO zusammen.

Netzwerk zur biologischen DosimetrieEinklappen / Ausklappen

Als WHO-Kooperationszentrum hilft das BfS der WHO beim Auf- und Ausbau des globalen Biodosimetrie-Netzwerkes BioDoseNet. Mithilfe der biologischen Dosimetrie kann anhand von Blutproben die Strahlendosis bestimmt werden, der eine Person ausgesetzt war. Die Bestimmung der Strahlendosis ist unter anderem bei nicht geplanten, unfallartigen Expositionssituationen wichtig. Das BfS betreibt in Neuherberg das Referenzlabor für biologische Dosimetrie in Deutschland.

Als Folge der weltweiten Gefährdung durch radiologische oder nukleare Notfälle (wie zum Beispiel einen Anschlag mit einer "schmutzigen Bombe“ oder einen Reaktorunfall wie in Fukushima) muss das BfS darauf vorbereitet sein, die individuellen Strahlenbelastungen einer großen Anzahl Personen abzuschätzen, damit geeignete medizinische Maßnahmen ergriffen werden können. Dazu muss das BfS nicht nur die Auswertekapazität im eigenen Labor steigern, sondern auch dafür sorgen, im Einsatzfall durch andere Labore im In- und Ausland unterstützt zu werden.

Im BioDoseNet-Netzwerk der WHO arbeiten deshalb seit 2008 Labore für biologische Dosimetrie eng zusammen. Dadurch sind sie auf mögliche große Strahlenunfälle optimal vorbereitet und können sich bei der biologischen Dosisabschätzung betroffener Personen gegenseitig helfen. Mit der gleichen Zielsetzung koordiniert das BfS das EU-Projekt RENEB (Realizing the European Network of Biodosimetry). Viele Mitglieder in RENEB sind auch Mitglieder im BioDoseNet. Durch diese Vernetzung und Kooperationen wird BioDoseNet in Europa gestärkt.

Das Netzwerk dient außerdem dazu, die Techniken zur Biodosimetrie zu verbessern und zu vereinheitlichen sowie in allen beteiligten Ländern eine vergleichbare Ausbildung sicherzustellen. Auch Länder, die selbst keine biologische Dosimetrie durchführen können, werden durch die am Netzwerk beteiligten Labore unterstützt.

Elektrische, magnetische und elektromagnetische FelderEinklappen / Ausklappen

Mit dem vom BfS durchgeführten Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) bildet das BfS als WHO-Kooperationszentrum nach wie vor einen Teil des internationalen EMF-Projekts. Im EMF-Projekt bewertet die WHO die gesundheitlichen Wirkungen von elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern (EMF) und entwickelt daraus Empfehlungen für die Mitgliedstaaten und die Bevölkerung zum Gesundheitsschutz und zur Vorsorge hinsichtlich elektromagnetischer Felder. Die Ergebnisse des DMF fließen in das EMF-Projekt ein und werden bei der bevorstehenden Risikobewertung berücksichtigt. Das EHC-Dokument der WHO (EHC: Environmental Health Criteria) zu hochfrequenten Feldern ist derzeit in Bearbeitung.

Optische StrahlungEinklappen / Ausklappen

Im Rahmen des INTERSUN-Programms bewertet die WHO gesundheitliche Wirkungen der UV-Strahlung und empfiehlt Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Das BfS unterstützt die WHO bei der Erarbeitung von Papieren, die im Rahmen des INTERSUN-Programms von der WHO veröffentlicht werden. Informationsmaterialien, die das BfS bezüglich der UV-Strahlung, deren Wirkung und des UV-Schutzes erarbeitet, werden der WHO vorgestellt und bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Ferner unterstützt das BfS die WHO bei der Entwicklung und Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen wie etwa dem UV-Index oder bei rechtlichen Regelungen zur Solariennutzung.

Die zunehmende Anwendung optischer Strahlung im Wellness-Bereich wird in Zukunft ein weiterer Schwerpunkt im Rahmen der bestehenden Kooperation mit der WHO sein.

RadonEinklappen / Ausklappen

Auch beim Schutz vor Radon ist das BfS wichtiger Ansprechpartner der WHO. Das natürlich vorkommende radioaktive Edelgas Radon ist nach dem Rauchen der zweitwichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs. Im International Radon Project der WHO entwickelte das BfS als Kooperationszentrum deshalb Strategien, wie die Bevölkerung über die vordringlich in Gebäuden auftretende Radonbelastung informiert und davor geschützt werden kann.

Aus dem "International Radon Project" ist unter anderem das WHO-Handbuch zu Radon hervorgegangen, in dem die weltweit vorliegenden Erkenntnisse zum radonbedingten Lungenkrebsrisiko gesichtet und bewertet wurde. Daraus wurden Vorschläge für Referenzwerte zur Radonkonzentration in Häusern abgeleitet. Außerdem werden in dem Handbuch Hinweise zum Schutz vor Radon gegeben sowie Grundzüge einer Risikokommunikation für Radon aufgezeigt. Die Radonbelastung in Gebäuden kann durch bauliche Maßnahmen minimiert werden. Das BfS tritt daher dafür ein, den Schutz vor Radon in die Liste der Kriterien für nachhaltiges Bauen aufzunehmen. Für Berufsgruppen, die Baumaßnahmen planen und ausführen, wird im Rahmen des International Radon Project Informationsmaterial zu Radon-Messungen, -Vorsorge und Sanierungsmöglichkeiten entwickelt.

Aus dem EU-Projekt RADPAR (Radon Prevention and Remediation) sind umfangreiche Empfehlungen zu Vorsorgemaßnahmen im Bereich Radon entwickelt worden, die auch von der WHO genutzt werden.

Medizinische StrahlenexpositionEinklappen / Ausklappen

Mit der Global Initiative on Radiation Safety in Health Care Settings will die WHO weltweit zur Verbesserung des Strahlenschutzes in der Medizin beitragen und insbesondere die medizinische Strahlenexposition verringern. Das BfS unterstützt diese Initiative, indem es bei der Entwicklung und Umsetzung entsprechender Strategien mitwirkt.

Dabei soll insbesondere das Prinzip der "Rechtfertigenden Indikation" gestärkt werden, um unnötige Strahlenanwendungen so weit wie möglich zu vermeiden. Unter der "Rechtfertigenden Indikation" versteht man die kritische Nutzen-Risiko-Abwägung in jedem Einzelfall (siehe zum Beispiel Nutzen und Risiko der Röntgendiagnostik) durch den verantwortlichen Radiologen.

Entwicklung und Umsetzung von Standards und LeitlinienEinklappen / Ausklappen

Eine der sechs grundlegenden Aufgaben der WHO ist die Entwicklung und Fortschreibung evidenzbasierter Normen und Vorschriften. Entsprechend sind dafür auch Empfehlungen für deren Umsetzung zu verfassen. Ein Beispiel dafür ist die Trinkwasserrichtlinie der WHO, die auch einen Abschnitt zu radiologischen Aspekten enthält. Das BfS unterstützt hier die WHO bei der Erarbeitung von Vorschriften und Empfehlungen.

Stand: 30.01.2017

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