Navigation und Service

Multiparametrische Verfahren der biologischen Dosimetrie für den Einsatz bei einem großen Strahlenunfall (MULTIBIODOSE)

multibiodose multibiodose

Das Ziel dieses interdisziplinären Verbundprojektes war es, eine Vielzahl von biodosimetrischen Verfahren zu untersuchen und sie unterschiedlichen Szenarien eines großen Strahlenunfalls anzupassen. Das Projekt sollte zu einem biodosimetrischen Netzwerk führen, das in der Lage ist, im Falle eines großen Strahlenunfalls gegenseitige Unterstützung in der biologischen Dosimetrie zu koordinieren und zu gewährleisten.

Im Falle eines großen Strahlenunfalls stellt die biologische Dosimetrie ein wichtiges Instrument dar, um eine rechtzeitige Bewertung der Strahlenbelastung der Bevölkerung zu ermöglichen und diejenigen Personen zu identifizieren, die eine medizinische Behandlung erhalten sollen. Es existieren mehrere unterschiedlich weit etablierte biodosimetrische Testsysteme, die zur Handhabung eines großen Strahlenunfalls weiterentwickelt und validiert werden müssen.

Zudem müssen neue Methoden in Hinblick auf einen Einsatz in einer Unfallsituation mit vielen potentiell bestrahlten Personen getestet werden. Die Methoden unterscheiden sich in ihrer Spezifität und Sensitivität auf Strahlung, der Stabilität des Signals und der Geschwindigkeit der Auswertung. Es sind unterschiedliche Szenarien im Falle eines großen Strahlenunfalls denkbar, demzufolge können verschiedene biodosimetrische Systeme zur Anwendung kommen, die sich gegenseitig ergänzen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass verlässliche Dosisabschätzungen möglichst schnell zur Verfügung stehen.

Die folgenden biodosimetrischen Methoden wurden validiert und angepasst:

  • Analyse dizentrischer Chromosomen,
  • Analyse von Mikrokernen,
  • Gamma-H2AX-Test,
  • Haut-Flecken Test,
  • Blutserum Proteinexpression Test sowie
  • Elektronenspin-Resonanz (EPR) / optisch stimulierte Lumineszenz (OSL) Dosimetrie anhand von tragbaren elektronischen Bauelementen.

Die Testverfahren wurden entsprechend ihrer Sensitivität und Spezifität auf Strahlung sowie der Expositionsszenarien und der Geschwindigkeit der Durchführung ausgewählt.

Das Projekt verlief hinsichtlich der Weiterentwicklung der Methoden und der Vernetzung der Labore sehr erfolgreich. Die Ergebnisse des Projektes wurden inzwischen in den entsprechenden Fachzeitschriften veröffentlicht. Es wurden auch Trainingsprogramme für alle im Projekt etablierten und validierten Tests entwickelt und dabei deren Automatisierung angestrebt.

Ein operativer Leitfaden zum multi-parametrischen Ansatz für einen großen Strahlenunfall wurde erstellt und an die zuständigen Organisationen für Notfallschutz und Strahlenschutz verteilt.

Das Projekt wurde von der Sicherheitsforschung im 7. Forschungsrahmenprogramm finanziert (FP7-SEC-241536). Es wurde am 1. Mai 2010 gestartet und endete im April 2013.
Der Abschlussbericht des Projektes und der Leitfaden zum Einsatz der Testverfahren können von der MULTIBIODOSE Webseite heruntergeladen werden.

Stand: 27.09.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz