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8. Risikowahrnehmung und Risikokommunikation

Neben Aspekten des Natur- und Umweltschutzes sowie der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes prägen Fragen zu den gesundheitlichen Risiken durch statische und niederfrequente Felder die Diskussionen und die Medienberichterstattung. Emotionen und Ängste in der Bevölkerung spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Die Thematik ist, was die technische Ausgestaltung der Anlagen zur Stromversorgung aber auch die möglichen gesundheitlichen Risiken durch die elektrischen und magnetischen Felder betrifft, sehr komplex. Für die Bürgerinnen und Bürger ist es daher schwierig, alle damit verbundenen Aspekte zu überblicken und zu bewerten. Auch Behördenmitarbeiter und -mitarbeiterinnen sowie politische Mandatsträger verfügen oftmals nicht über ein ausreichendes Fachwissen, um alle Fragen kompetent beantworten zu können.

In diesem Teil des Forschungsprogramms werden die Kenntnisse und die Risikowahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger und deren Informationsbedürfnisse ermittelt. Ausgehend davon wird geklärt, wie die Informationen aufbereitet werden müssen und von wem und wie sie vermittelt werden sollten, um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Außerdem wird untersucht, welche Faktoren für die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit ausschlaggebend sind und wie die Glaubwürdigkeit der beteiligten Behörden und das Vertrauen in die handelnden Personen sichergestellt bzw. erhöht werden können.

Die Projekte im Forschungsschwerpunkt Risikokommunikation sollen der Verunsicherung der Bürger bezüglich der gesundheitlichen Wirkungen von Stromleitungen entgegenwirken. Ziel ist es, einen Beitrag dafür zu leisten, dass sich die Bürger anhand der vorliegenden Informationen ihre eigene fundierte Meinung bilden können.

Forschungsprojekte

8.1. Fachgespräch zu verschiedenen Aspekten der Kommunikation im Stromnetzausbau

Um die bisherigen Erkenntnisse aus der sozialwissenschaftlichen Forschung mit der interessierten sowie der Fachöffentlichkeit zu diskutieren, wird zu Beginn des Forschungszeitraumes ein Fachgespräch durchgeführt. Themenschwerpunkte sind Diskursgestaltung, Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Transparenz und "Lessons Learned" aus bisherigen Praxisbeispielen des Stromnetzausbaus.

8.2. Umfragen zur Ermittlung der Besorgnis in der Bevölkerung

Repräsentative und regelmäßige Umfragen bieten eine geeignete Ausgangsbasis, um mit zielgruppenspezifischen Informations- und Kommunikationsmaßnahmen auf die Sorgen und Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren.

8.3. Untersuchung zur Wirkung von Vor-Ort Expositionsmessungen auf die Risikowahrnehmung sowie die Glaubwürdigkeit von und das Vertrauen in Landesbehörden und Netzbetreiber

Welche Faktoren erhöhen die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen und welche schwächen sie? Wie wirken Vor-Ort-Messungen von Landesbehörden und Netzbetreibern - werden sie als hilfreiches Angebot empfunden? Anhand dieser Fragen soll die derzeitige Strategie zur Information der Bevölkerung überprüft werden.

8.4. Untersuchung zur Rolle von Behörden bei Veranstaltungen

Die Bedeutung der Präsenz von Behörden (Vorträge und Teilnahme an Podiumsdiskussionen) bei Informationsveranstaltungen wird ermittelt. Wege der Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung sollen erforscht werden. Ansatzpunkte, die Kommunikation von Behörden bei Veranstaltungen zu verbessern und das Vertrauen in Behörden zu stärken, werden ermittelt.

8.5. Untersuchung der Möglichkeiten von lokalen Behörden (Gesundheitsämter, Amtsärzte und Immissionsschutzämter) als Multiplikatoren für die Risikokommunikation beim Stromnetzausbau

Über Interviews werden die Bereitschaft und die Möglichkeiten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Behörden (Gesundheitsämter, insbesondere Amtsärzte und Immissionsschutzämter) ermittelt, als Multiplikatoren für die Risikokommunikation beim Stromnetzausbau tätig zu werden. In den Interviews wird das vorhandene Wissen zum Strahlenschutz beim Netzausbau erfragt. Aus den Ergebnissen ergibt sich der Bedarf an zusätzlicher Information auch im Hinblick auf die operative Durchführung von Veranstaltungen zur Risikokommunikation. Es wird ein Tool zur Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zur Vermittlung der notwendigen Informationen (z.B. Online-Fortbildung, Videos mit Musterpräsentationen, FAQ's, Infobroschüren) entwickelt. Auch werden die benötigte Form und die Art der Verbreitung dieses Tools ermittelt. Dieses Tool wird in Zusammenarbeit mit der Zielgruppe überprüft, optimiert und evaluiert.

8.6. Evaluation von Risikokommunikationsmaßnahmen

Wie müssen Informationen präsentiert werden, damit sie für die Anwohner zugänglich sind und angenommen werden? Werden die angebotenen Informationen in der passenden, verständlichen Form am richtigen Ort präsentiert? Die Beantwortung dieser Fragen trägt zu einer Gestaltung des Informationsangebots bei, das dem Bürger bzw. der Bürgerin ermöglicht, sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden.

8.7. Untersuchung zur Meinungsbildung

Wie müssen Informationen aufbereitet sein, um von den Adressaten (hier Anwohnern) angenommen zu werden? Eine Analyse der ausgetauschten Meinungen, des "Glaubens", des "Wissens" sowie der Bereitschaft zum Austausch über Meinungen und Bewertungen im Stromnetzausbau wird durchgeführt.

Ergebnis der Online-Konsultation

Themenfeld 8Einklappen / Ausklappen

Bewertung von Themenfeld 8 Bewertung von Themenfeld 8Bewertung von Themenfeld 8

Das Themenfeld wurde überwiegend als sehr wichtig bewertet (siehe Abbildung), die Teilbereiche jedoch kontrovers kommentiert. Die Ausrichtung von Teilaspekten (8.4 und 8.5) wurde als nicht realitätsnah kritisiert. Es wurde angeregt, die sozialen Medien in die Risikokommunikation einzubeziehen.

Stellungnahme des BfS

Die Kommentare und mögliche Anpassungen des Themenfelds werden im Rahmen eines Fachgesprächs (29./30. November in Neuherberg) erörtert. Zum Fachgespräch sind auch die kritischen Bewerter eingeladen.

Eine anonymisierte Zusammenfassung der Kommentare zum Themenfeld 8 steht zum Download zur Verfügung.

Stand: 08.11.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz