Navigation und Service

2. Bestimmung von Wahrnehmungs- und Wirkungsschwellen

Elektrische und magnetische Felder, wie sie von Starkstromleitungen ausgehen, können unter Umständen wahrgenommen und als unangenehm empfunden werden. Niederfrequente Magnetfelder induzieren im Körper elektrische Ströme, die oberhalb der Grenzwerte zur Reizung von Nerven und Muskeln führen. Statische elektrische Felder von HGÜ-Freileitungen können bei hohen Feldstärken direkt wahrgenommen werden. Zudem können sich Metallgegenstände wie zum Beispiel Autos, die sich unterhalb von Stromleitungen aufhalten, elektrisch aufladen. Bei Berührung der Metalloberfläche des Autos durch Personen kann es zu Funkentladungen und Kontaktströmen kommen.

Forschungsprojekte

2.1. Internationaler Workshop zu Wirkungs- und Wahrnehmungsschwellen statischer und niederfrequenter magnetischer und elektrischer Felder und Kontaktströmen beim Menschen

Der Workshop fand am 26. und 27. Oktober 2016 in München statt. Führende Experten auf diesem Gebiet waren vertreten. Sie gaben eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand. Die jeweils anschließende Diskussion diente der Identifizierung von Kenntnislücken und Forschungsschwerpunkten, die eine Präzisierung der folgenden Forschungsvorhaben ermöglichen.

2.2. Wirkungs- und Wahrnehmungsschwellen statischer elektrischer Felder

In einer experimentellen Studie an Testpersonen wird bestimmt, ab welchen Schwellen und aufgrund von welchem Wirkmechanismus elektrische Felder wahrgenommen werden und ab welchen Werten die Wahrnehmung als störend, bzw. unangenehm oder schmerzhaft empfunden wird. Die vermutete Wahrnehmung mittels der Körperbehaarung wird überprüft. Individuelle Unterschiede, Alters- und Geschlechtsabhängigkeit sowie der Einfluss äußerer Faktoren wie zum Beispiel Temperatur, Feuchtigkeit, Ionisierung und Bekleidung werden berücksichtigt.

An der RWTH Aachen wird derzeit die Studie "Bestimmung der menschlichen Perzeptionsschwelle in statischen elektrischen Feldern der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ)" durchgeführt. Die hier geplante Studie soll die Ergebnisse validieren und erweitern.

2.3. Wirkungs- und Wahrnehmungsschwellen von Kontaktströmen und Funkentladungen bei Hochspannungsgleichstrom und Hochspannungswechselstrom

Eine experimentelle Studie an Testpersonen wird klären, ab welchen Schwellenwerten Funkentladungen und Kontaktströme wahrgenommen und als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden. Die Studie liefert Daten zur individuellen Variabilität sowie zur Geschlechts- und Altersabhängigkeit.

2.4. Wirkungen auf das zentrale und das periphere Nervensystem aufgrund von im Körper induzierten niederfrequenten elektrischen Feldern

Unter Teil- oder Ganzkörper-Exposition wird an Testpersonen untersucht, ab welchen Schwellenwerten niederfrequente Magnetfelder im Körper elektrische Ströme induzieren, die das zentrale und periphere Nervensystem beeinflussen können. Es werden subjektiv nicht wahrnehmbare Einflüsse auf die Hirnaktivität gemessen sowie wahrnehmbare Reize abgefragt. Es wird festgestellt, bei welchen Schwellenwerten die neuronale Aktivität im Gehirn moduliert wird und ab welchen Schwellenwerten Wahrnehmungen und Sinneseindrücke entstehen und als unangenehm empfunden werden. Die individuelle Variabilität sowie Geschlechts- und Altersabhängigkeit werden berücksichtigt. Mit diesem Vorhaben soll die Belastbarkeit der bereits vorliegenden Daten überprüft und die bisher nur grob bekannten Schwellenwerte sollen präzisiert werden.

Ergebnis der Online-Konsultation

Themenfeld 2Einklappen / Ausklappen

Bewertung von Themenfeld 2 Bewertung von Themenfeld 2Bewertung von Themenfeld 2

Das Themenfeld wurde als sehr wichtig bewertet (siehe Abbildung). Es wurde explizit auf die schwache Datenlage zur Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) und zur Kombination von HGÜ und Hochspannungswechselstromübertragung (HWÜ) hingewiesen. Zudem wurde kritisiert, dass zur Bestimmung von Wirkschwellen die Einwirkung auf biochemische Signalkaskaden nicht im Themenfeld berücksichtigt ist.

Stellungnahme des BfS

Die Wahrnehmbarkeitsstudien werden den Frequenzbereich 0-50 Hz umfassen, schließen also statische Felder der HGÜ mit ein. Biologische Signalkaskaden sind ein extrem breites wissenschaftliches Feld. Mögliche Einflussfaktoren (auch schwache ELF-EMF) sind Gegenstand intensiver Forschung, werden aber kontrovers diskutiert. Potentielle Wirkmechanismen (wie beispielsweise der Radikal-Paar-Mechanismus) sind für den Menschen nicht belegt. Das Forschungsprogramm konzentriert sich daher auf konkrete Fragestellungen, die bezüglich des Stromnetzausbaus noch nicht abschließend geklärt sind. Ein eigenes Themenfeld, das sich mit Signalkaskaden auseinandersetzt, ist daher nicht geplant. Sollten sich im Themenfeld 1 oder 3 Hinweise auf den Einfluss von ELF-EMF auf spezifische Signalkaskaden ergeben, werden entsprechende Forschungsvorhaben initiiert.

Stand: 08.11.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz