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1. Aufklärung eines möglichen Zusammenhangs zwischen niederfrequenten Magnetfeldern und neurodegenerativen Erkrankungen

Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des zentralen oder des peripheren Nervensystems, bei denen es zur Degeneration und zum Absterben von Nervenzellen kommt. Dies führt zu Funktionsstörungen des Gehirns (z.B. Gedächtnisstörungen, Demenzen) und des Bewegungsapparats (z.B. Multiple Sklerose/MS, Parkinson-Krankheit, Amyotrophe Lateralsklerose/ALS).

Es wurden epidemiologische Studien (Beobachtungsstudien am Menschen) durchgeführt, die bei beruflich hoch exponierten Personengruppen einen Zusammenhang zwischen einer starken Magnetfeldexposition und ALS bzw. Alzheimer-Demenz gezeigt haben. Für die Alzheimer-Demenz liegt aus einer Studie ein zusätzlicher Hinweis zu einem Zusammenhang mit Wohnortnähe und Wohndauer an Hochspannungsleitungen vor. Demgegenüber zeigen die Ergebnisse epidemiologischer Studien keinen Zusammengang zwischen Magnetfeldexposition und der Parkinson-Krankheit bzw. MS. Tierexperimentelle Studien konnten die epidemiologischen Befunde bisher nicht bestätigen, auch ist ein Wirkmechanismus nicht bekannt.

Neue epidemiologische Daten und deren zusammenfassende Analysen sollen genutzt werden, um die Datenlage zu einem möglichen Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Magnetfeldern oder auch Stromschlägen zu aktualisieren. Sollten die bisherigen Erkenntnisse bestätigt werden, wird in Tierstudien und Studien an Zellkulturen die Kausalität des Zusammenhangs überprüft und nach möglichen Wirkmechanismen gesucht.

Forschungsprojekte

1.1. Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Magnetfeldexposition

Seit Erscheinen der letzten Metaanalyse zu beruflicher Magnetfeldexposition und neurodegenerativen Erkrankungen gab es einige neue Veröffentlichungen. Diese Literaturstudie wird eine zusammenfassende Risikobewertung aller inzwischen vorhandenen Studien liefern, wobei deren Qualität und Aussagekraft nach einem standardisierten Verfahren bewertet wird.

1.2. Gepoolte Analyse zum Zusammenhang zwischen ALS und Magnetfeldexposition

Neuere epidemiologische Studien untersuchten in den betroffenen Berufsgruppen zusätzlich zu Magnetfeldern auch den Zusammenhang zwischen ALS und Stromschlägen. Die Datenlage ist jedoch sehr inkonsistent. Die Originaldaten von qualitativ hochwertigen Studien zu ALS werden statistisch ausgewertet, sodass belastbare Aussagen zum Risiko ermöglicht werden. Dabei werden verschiedene Expositionsszenarien (mittlere Magnetfeldexposition, Stromschläge, etc.) berücksichtigt.

1.3. Internationaler Workshop zum Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Magnetfeldexposition

Ein Workshop mit eingeladenen Experten erbringt am schnellsten eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand und zu Kenntnislücken, die gegebenenfalls als Basis für zielgerichtete Forschungsvorhaben (Vorhaben 1.4 bis 1.7) dienen können.

Der internationale Workshop ist für den 12. bis 14. Dezember 2017 in München geplant.

1.4. Wirkungen niederfrequenter Magnetfelder auf die Entstehung und den Verlauf von ALS im Tiermodell (in vivo)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Tiermodelle und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Tierversuche unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

1.5. Wirkungen niederfrequenter Magnetfelder auf die Entstehung und den Verlauf von Alzheimer-Demenz im Tiermodell (in vivo)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Tiermodelle und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Tierversuche unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

1.6. Wirkmechanismen niederfrequenter Magnetfelder bei der Entstehung von ALS in Zellkultur (in vitro)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Zelllinien (oder Probenmaterial aus den in vivo Studien) und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Laborstudien mit Zellen unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

1.7. Wirkmechanismen niederfrequenter Magnetfelder bei der Entstehung von Alzheimer Demenz in Zellkultur (in vitro)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Zelllinien (oder Probenmaterial aus den in vivo Studien) und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Laborstudien mit Zellen unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

Ergebnis der Online-Konsultation

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Das Themenfeld wurde überwiegend als sehr wichtig bewertet (siehe Abbildung). Da zur Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen komplexe Ursachen beitragen, wurde angeregt das Themenfeld zu erweitern. Die Vorschläge betreffen konkret den Einfluss niederfrequenter Magnetfelder auf Schlaf, Stoffwechselvorgänge und biochemische Signalkaskaden. Es wurde bemängelt, dass die Komplexität der Ursachen eine vollständige Aufklärung der Zusammenhänge unwahrscheinlich macht.

Stellungnahme des BfS

Der Einfluss niederfrequenter Magnetfelder auf Stoffwechselvorgänge und biochemische Vorgänge ist Gegenstand aktueller Forschung. Die Studienergebnisse werden in die Bewertung eines möglichen Zusammenhangs einfließen. Der Einfluss auf das Schlafverhalten wird in das Themenfeld 1 aufgenommen.

Eine anonymisierte Zusammenfassung der Kommentare zum Themenfeld 1 steht zum Download zur Verfügung.

Stand: 08.11.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz