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1. Aufklärung eines möglichen Zusammenhangs zwischen niederfrequenten Magnetfeldern und neurodegenerativen Erkrankungen

Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des zentralen oder des peripheren Nervensystems, bei denen es zur Degeneration und zum Absterben von Nervenzellen kommt. Dies führt zu Funktionsstörungen des Gehirns (z.B. Gedächtnisstörungen, Demenzen) und des Bewegungsapparats (z.B. Multiple Sklerose/MS, Parkinson-Krankheit, Amyotrophe Lateralsklerose/ALS).

Mehrere bisher durchgeführte epidemiologische Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen niederfrequenten Magnetfeldern und Erkrankungen des Nervensystems bei beruflich hoch exponierten Personengruppen. So zeigte eine Metaanalyse von 20 epidemiologischen Studien ein erhöhtes ALS-Risiko bei beruflicher Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern. Auch für Alzheimer Demenz liegt aus einer Metaanalyse ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko bei beruflich exponierten Personen vor. Dagegen gibt es keine Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Parkinson-Krankheit oder der multiplen Sklerose und Magnetfeldern.

Für die Allgemeinbevölkerung, also nicht beruflich exponierte Personen, zeigte sich ein möglicherweise erhöhtes Risiko für die Alzheimer Demenz bei Personen, die in einer Entfernung von weniger als 50 Metern zu einer Hochspannungsleitung wohnen. Eine ähnliche Studie aus Dänemark konnte die Ergebnisse aber nicht in vollem Umfang bestätigen. Ob die beobachteten erhöhten Risiken tatsächlich ursächlich mit niederfrequenten Magnetfeldern zusammenhängen, und welche Wirkmechanismen zugrunde liegen, ist nicht geklärt.

Neue epidemiologische Daten und deren zusammenfassende Analysen sollen genutzt werden, um die Datenlage zu einem möglichen Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Magnetfeldern oder auch Stromschlägen zu aktualisieren. Sollten die bisherigen Auswertungen einen Zusammenhang zeigen, wird dieser in Tierstudien und Studien an Zellkulturen experimentell überprüft und nach möglichen Wirkmechanismen gesucht.

Forschungsprojekte

1.1. Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Magnetfeldexposition

Seit Erscheinen der letzten Metaanalyse zu beruflicher Magnetfeldexposition und neurodegenerativen Erkrankungen gab es einige neue Veröffentlichungen. Diese Literaturstudie wird eine zusammenfassende Risikobewertung aller inzwischen vorhandenen Studien liefern, wobei deren Qualität und Aussagekraft nach einem standardisierten Verfahren bewertet wird.

1.2. Gepoolte Analyse zum Zusammenhang zwischen ALS und Magnetfeldexposition

Die Datenlage zu ALS und Magnetfeldexposition ist sehr inkonsistent. Die gemeinsame Auswertung qualitativ hochwertiger Studien ist prinzipiell geeignet, die wissenschaftliche Unsicherheit in diesem Bereich zu reduzieren. Daher wird zunächst geprüft, ob eine aussagekräftige gemeinsame Auswertung der Einzelstudien möglich ist, die belastbare Aussagen zum Risiko ermöglicht. Dabei wird die Bedeutung unterschiedlicher Expositionsszenarien, verschiedener Arten der Expositionsabschätzung und die Rolle zusätzlicher Risikofaktoren berücksichtigt.

1.3. Internationaler Workshop zum Zusammenhang zwischen neurodegenerativen Erkrankungen und Magnetfeldexposition

Der Workshop fand vom 12. bis 14. Dezember 2017 in München statt. Zu den Teilnehmern gehörten Ärzte, Biologen, Epidemiologen, Physiker und Techniker. Es wurde der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand unter unterschiedlichen Aspekten zusammengefasst und diskutiert, Wissenslücken identifiziert und mögliche Forschungsansätze diskutiert. Die Ergebnisse werden in die weitere Planung der Forschungsvorhaben 1.4 - 1.7 einfließen.

Der Bericht zu den Ergebnissen des Workshops ist in DORIS, dem Digitalen Online Repositorium und Informations-System des BfS erschienen.

1.4. Wirkungen niederfrequenter Magnetfelder auf die Entstehung und den Verlauf von ALS im Tiermodell (in vivo)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Tiermodelle und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Tierversuche unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

1.5. Wirkungen niederfrequenter Magnetfelder auf die Entstehung und den Verlauf von Alzheimer-Demenz im Tiermodell (in vivo)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Tiermodelle und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Tierversuche unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

1.6. Wirkmechanismen niederfrequenter Magnetfelder bei der Entstehung von ALS in Zellkultur (in vitro)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Zelllinien (oder Probenmaterial aus den in vivo Studien) und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Laborstudien mit Zellen unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

1.7. Wirkmechanismen niederfrequenter Magnetfelder bei der Entstehung von Alzheimer Demenz in Zellkultur (in vitro)

Auf Basis der Ergebnisse des Workshops und der analysierten Literatur werden geeignete Zelllinien (oder Probenmaterial aus den in vivo Studien) und zu untersuchende Endpunkte ausgewählt und Laborstudien mit Zellen unter einer Exposition mit niederfrequenten Magnetfeldern durchgeführt.

Ergebnis der Online-Konsultation

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Das Themenfeld wurde überwiegend als sehr wichtig bewertet (siehe Abbildung). Da zur Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen komplexe Ursachen beitragen, wurde angeregt das Themenfeld zu erweitern. Die Vorschläge betreffen konkret den Einfluss niederfrequenter Magnetfelder auf Schlaf, Stoffwechselvorgänge und biochemische Signalkaskaden. Es wurde bemängelt, dass die Komplexität der Ursachen eine vollständige Aufklärung der Zusammenhänge unwahrscheinlich macht.

Stellungnahme des BfS

Der Einfluss niederfrequenter Magnetfelder auf Stoffwechselvorgänge und biochemische Vorgänge ist Gegenstand aktueller Forschung. Die Studienergebnisse werden in die Bewertung eines möglichen Zusammenhangs einfließen. Der Einfluss auf das Schlafverhalten wird in das Themenfeld 1 aufgenommen.

Eine anonymisierte Zusammenfassung der Kommentare zum Themenfeld 1 steht zum Download zur Verfügung.

Stand: 30.01.2018

© Bundesamt für Strahlenschutz