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Die Arbeit des BfS auf internationaler Ebene

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet im Strahlenschutz auf nationaler und internationaler Ebene mit den fachlich einschlägigen Organisationen und Gremien zusammen.

Die wichtigsten Ziele sind dabei:

  • Mitgestaltung international anerkannter Standards im Strahlenschutz sowie im Umgang mit radioaktiven Stoffen
  • Austausch von Erfahrungen mit den internationalen Partnern, um Sicherheitsverbesserungen im eigenen Verantwortungsbereich zu erkennen aber auch um eigene Erfahrungen weiterzuvermitteln
  • Wissenschaftlicher Austausch über Methoden und Erkenntnisse, Ermittlung und Weiterentwicklung des Standes von Wissenschaft und Technik, Kooperationen für Forschung und Untersuchungen
  • Gegenseitige Information, bei Bedarf Unterstützung und Hilfeleistung

Grenzwerte und Standards im Strahlenschutz werden in den meisten Staaten, so auch in Deutschland, entsprechend internationaler Empfehlungen und Vorschriften festgelegt. Für den Bereich der ionisierenden Strahlung kann dieser Ablauf vereinfacht wie folgt dargestellt werden: Basierend auf wissenschaftlichen Berichten zu Strahlenexpositionen und ihrer Bewertung durch UNSCEAR (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation), entwickelt die internationale Strahlenschutzkommission ICRP (International Commission in Radiological Protection) Empfehlungen, die das System des Strahlenschutzes aktualisieren, konsolidieren und weiter entwickeln.

Diese Empfehlungen werden von der Europäischen Kommission (European Commission, EC) im Rahmen des EURATOM-Vertrags beziehungsweise von der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA im Rahmen internationaler Verträge aufgenommen und in den wesentlichen Teilen in Form von Richtlinien, Verordnungen und weiteren untergesetzlichen Regelungen umgesetzt. Die Verfahrensabläufe bei dem Gebiet der ionisierenden Strahlung und dem Gebiet der nicht-ionisierende Strahlung sind vergleichbar.

EU-Direktiven müssen in nationales Recht umgesetzt werden

In den EU-Mitgliedsländern sind die Direktiven unmittelbar in nationales Recht umzusetzen. So hatte die ICRP-Empfehlung 60 aus dem Jahre 1990 zu den "EURATOM-Grundnormen" (Richtlinie 96/29/EURATOM vom 13. Mai 1996) geführt, die schließlich mit den Neufassungen der deutschen Strahlenschutzverordnung und der Röntgenverordnung im Jahre 2001 beziehungsweise 2002 in nationales Recht umgesetzt wurde. Die neue ICRP-Empfehlung Nr. 103 (Übersetzung) ist Ende 2007 erschienen. Die IAEA hat diese Empfehlung in den neuen Radiation Protection and Safety of Radiation Sources: International Basic Safety Standards umgesetzt, die Ende 2011 als No. GSR Part 3 veröffentlicht wurden. Am 5. Dezember 2013 verabschiedete der Europäische Rat die Richtlinie zur Festlegung grundlegender Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung, 2013/59/EURATOM.

Internationaler Erfahrungsaustausch

Auch wenn im Strahlenschutz in vielen Ländern unterschiedliche Vorgehensweisen und auch rechtliche Randbedingungen existieren, sind der Austausch von Erfahrungen und die gegenseitige Information ein wesentliches Element, um den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt zu gewährleisten. Diese Zusammenarbeit findet in allen Fachdisziplinen des BfS statt. Das BfS ist deshalb in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und anderen Bundesministerien in allen wesentlichen internationalen Gremien vertreten, um dort die deutsche fachliche Expertise einzubringen und um die nationalen Interessen angemessen vertreten zu können.

Hier bietet auch die Nuclear Energy Agency (NEA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine internationale Plattform. Sie unterhält mehrere fachliche Komitees aus den Bereichen Recht, Strahlenschutz, behördliche Aufgaben, Sicherheit von kerntechnischen Anlagen und Entsorgung und in allen Komitees weitere Fach- und Arbeitsgruppen.

Mit den Nachbarstaaten Deutschlands gibt es neben dem internationalen Rahmen bilaterale Vereinbarungen für laufende Konsultationen und intensiven Austausch auf fachlicher Ebene.

Maßgebende Argumente für die Zusammenarbeit des BfS mit internationalen Organisationen

Für die Zusammenarbeit des BfS mit internationalen Organisationen sind folgende Argumente maßgebend:

  • Die grundlegenden biologischen Effekte ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung sowie das Verhalten radioaktiver Stoffe in der Umwelt sind überall gleich, daher ist es sinnvoll, die empirischen Daten aus Beobachtungen und Experimenten sowie darauf aufbauende Modelle zu vergleichen, um auf der einen Seite Übereinstimmung bei Abschätzungsfragen zu erzielen und auf der anderen Seite Doppelarbeit zu vermeiden.
  • Kompetenzerhalt kann durch internationale Zusammenarbeit auf zwei verschiedene Arten erreicht werden: Entweder findet eine Spezialisierung bestimmter Gruppen auf spezifische Themen statt oder es wird intensiv Personal ausgetauscht, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.
  • Darüber hinaus gibt es eine rein praktische Notwendigkeit, auf das Zusammenwachsen der Märkte der Europäischen Union und darüber hinaus und die damit verbundenen grenzüberschreitenden Tätigkeiten der Arbeitnehmer zu reagieren.

Internationale Aufgaben des BfS

Das BfS ist auch internationales Kooperationszentrum (Collaborating Centre) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in verschiedenen Feldern des Strahlenschutzes. Als Kooperationszentrum unterstützt das BfS die WHO in insgesamt sieben Forschungs- und Projektbereichen, die sich mit der Ermittlung und Bewertung von Strahlenrisiken, ihrer Kommunikation sowie der Entwicklung internationaler Sicherheitsstandards und technischer Leitlinien befassen:

  • Strahlenrisiken im Bereich niedriger Dosen,
  • biologische Dosimetrie,
  • elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder,
  • optische Strahlung,
  • Radon,
  • medizinische Strahlenexposition,
  • Entwicklung und Umsetzung von Standards und Leitlinien.

Die Aufgaben, bei denen das BfS mit der WHO zusammenarbeitet, haben seit Beginn der Kooperation im Jahr 2006 kontinuierlich zugenommen. So umfasst die neuerliche Kooperation auch einen neuen Arbeitsbereich "Entwicklung und Umsetzung von Standards und Leitlinien". Hier steht eine Überarbeitung der Trinkwasserleitlinien der WHO, die Empfehlungen für Höchstgrenzen von radioaktiven Stoffen im Trinkwasser enthalten, auf dem Arbeitsprogramm. Auf dem Gebiet der "optischen Strahlung" greift die WHO in einem neuen Projekt auf die Expertise des BfS zurück: Für die inzwischen weit verbreitete Anwendung von Lasern im Wellnessbereich sollen WHO-Empfehlungen herausgegeben werden.

Bezüglich der Überwachung des Kernwaffenteststopp-Abkommens, das von der Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organisation (CTBTO) koordiniert wird, betreibt das BfS die einzige Spurenmessstationen in Mitteleuropa. Gegenwärtig besteht das weltweite Messnetz aus 60, in einer späteren Ausbaustufe aus 80 global verteilten hochempfindlichen Messsystemen für Radioaktivität in der Luft.

Im Vordergrund steht der wissenschaftliche Austausch von Erkenntnissen

Schlussendlich ist internationale Zusammenarbeit aber nicht nur eine fachliche Frage, sie ist ein Gesamtkonzept, das zum einen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Anreiz bietet, gegebenenfalls auch für einige Zeit in einer anderen Organisation zu arbeiten, andererseits aber auch Vorteile für die entsendende Organisation bietet. Im Vordergrund steht dabei der wissenschaftliche Austausch von Erkenntnissen sowie das gemeinsame Vorantreiben des Standes von Wissenschaft und Technik (siehe auch EU-Forschungsrahmenprogramm), aber auch das Kennenlernen der jeweiligen Sicherheitskultur und des jeweiligen Umfeldes, in dem der Strahlenschutz praktiziert wird.

Stand: 04.01.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz