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Die Strahlenschutzverordnung

Radon - ein kaum wahrgenommenes Risiko Radon - ein kaum wahrgenommenes Risiko

Die "Verordnung für die weitere Modernisierung des Strahlenschutzrechts" schafft mehr Verlässlichkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie enthält Regelungen zum Schutz vor ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung zu Hause, am Arbeitsplatz oder beim Arztbesuch. Die Verordnung, die am 19. Oktober 2018 vom Bundesrat beschlossen worden ist, konkretisiert die Vorgaben des Strahlenschutzgesetzes und tritt am 31.12.2018 in Kraft.

Den wesentlichen Teil bildet die Verordnung zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (die neue "Strahlenschutzverordnung"). Sie enthält Vorgaben zum Schutz vor Radon in Wohn- und Arbeitsräumen sowie zum beruflichen und medizinischen Strahlenschutz. Darüber hinaus wird der Strahlenschutz durch die Neueinführung oder Änderung weiterer Verordnungen verbessert. Unter anderem regelt die Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV) den Betrieb von Anlagen zu kosmetischen oder sonstigen nichtmedizinischen Zwecken. Gemeint sind hier unter anderem Ultraschallgeräte, Laser und Geräte, die elektromagnetische Felder erzeugen.

Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung treten die alte Strahlenschutzverordnung sowie die Röntgenverordnung außer Kraft.

Die Aufgaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)

Mit den Neuregelungen erhält das BfS auch neue Aufgaben. Die Behörde bleibt weiterhin zuständig für die Genehmigung für die Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung am Menschen zum Zweck der medizinischen Forschung. Neu ist hier, dass neben dem Genehmigungsverfahren ein Anzeigeverfahren in gesetzlich bestimmten Fällen die Forschung vereinfachen und beschleunigen soll.

Das Strahlenschutzgesetz sieht außerdem eine Kontrolle der Eigenüberwachung kerntechnischer Anlagen, Anlagen zur Sicherstellung und Endlagerung radioaktiver Abfälle und von Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlung im Zuständigkeitsbereich des BfS.

Künftig ist das BfS die zentrale Stelle zur Erfassung, Verarbeitung und Auswertung von Informationen über bedeutsame Vorkommnisse, insbesondere bei der Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung am Menschen.

Neu ist außerdem die Zuständigkeit des BfS für die Anerkennung von Stellen zur Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration sowie für die Durchführung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung von Messstellen für die innere Exposition und die Exposition durch Radon.

RadonEinklappen / Ausklappen

Radon: Wege ins Haus Radon: Wege ins HausWege des Radon aus dem Boden in Gebäude

Das Einatmen von Radon zählt neben dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken. Radon kann aus dem Baugrund in Gebäude aufsteigen und sich dort anreichern. Um das gesundheitliche Risiko so gering wie möglich zu halten, ist im Strahlenschutzgesetz als Richtschnur für eine erhöhte Radonkonzentration in Innenräumen ein Wert von 300 Becquerel pro Kubikmeter festgelegt worden.

Die Strahlenschutzverordnung konkretisiert dies nun. Zum einen legt die Verordnung Kriterien fest, anhand derer Gebiete eingegrenzt werden sollen, in denen besondere Vorkehrungen zum Schutz vor Radon greifen sollen. Bis 2020 müssen die Bundesländer die Gebiete mit hohem Radon-Vorkommen ermitteln und bekanntgeben.

Zum anderen werden in der Verordnung zahlreiche Maßnahmen aufgelistet, mit denen das gesundheitliche Risiko minimiert werden kann. Dazu zählen die fachgerechte Isolierung gegenüber der Bodenfeuchtigkeit, radondichte Baumaterialien oder Einrichtungen zur Abführung radonhaltiger Luft aus dem Baugrund. In den sogenannten Radonvorsorgebieten muss beim Neubau von Häusern und Wohnungen mindestens eine der in der Verordnung genannten Maßnahmen eingehalten werden.

FreigabeEinklappen / Ausklappen

Infolge des Ausstiegsbeschlusses von 2011 werden alle Atomkraftwerke (Akw) in Deutschland bis 2022 stillgelegt und müssen daher auch rückgebaut werden. Klar ist, dass hochradioaktive Stoffe etwa aus dem Reaktorkern mit größter Vorsicht endgelagert werden müssen.

Nun ist auch der Umgang mit allen anderen Materialien klar geregelt: Die neue Strahlenschutzverordnung sieht ein wissenschaftlich und rechtlich abgesichertes Verfahren vor, mit dem die radiologische Unbedenklichkeit eines Stoffes ermittelt und festgestellt wird. Man spricht von der sogenannten Freigabe. Neben baulichen Reststoffen ehemaliger Akw betrifft dies aber auch Materialien aus Medizin, Industrie, Wissenschaft und Technik.

Schwach radioaktives Material, das zu einer vernachlässigbaren Strahlenexposition der Bevölkerung führt, kann demnach künftig dem Wirtschaftskreislauf zugeführt oder entsorgt werden. Als Leitlinie gelten hier 10 Mikrosievert pro Jahr. Zum Vergleich: Die jährliche Strahlenbelastung aufgrund natürlicher Strahlenquellen ist im Mittel über hundert Mal höher.
Das Konzept der Freigabe leistet einen wichtigen Beitrag zur praktischen Umsetzung des Ausstiegs aus der Atomenergie in Deutschland. Insbesondere kann damit vermieden werden, dass große Mengen radiologisch bedeutungslosen Materials aufwändig in einem Endlager entsorgt werden müssen.

StrahlenschutzregisterEinklappen / Ausklappen

Register

Das Strahlenschutzregister überwacht die Einhaltung der Grenzwerte bei Personen, die aus beruflichen Gründen Strahlung ausgesetzt sind. Das BfS erfasst im Rahmen dieser Aufgaben jährlich ca. 3,5 Millionen amtliche Dosis- und Strahlenpassmeldungen von insgesamt ca. 100 verschiedenen Messstellen und Behörden aus ganz Deutschland zentral und personenbezogen im Strahlenschutzregister. Mit dem Strahlenschutzgesetz werden Personenkennzeichen eingeführt, die auch bei Namens- oder Arbeitgeberwechsel erhalten bleiben. Die neue Strahlenschutzverordnung regelt Beantragung und Verwendung des Personenkennzeichens im Detail. Alle wichtigen Informationen sind auf folgender Internetseite zusammengefasst: www.bfs.de/ssr

Bewertungsverfahren RechtfertigungEinklappen / Ausklappen

Im Strahlenschutzgesetz ist vorgesehen, dass Produkte oder Verfahren, bei denen Mensch und Umwelt ionisierender Strahlung ausgesetzt sein können, künftig bei Zweifeln an ihrer Rechtfertigung umfassend durch das BfS geprüft und bewertet werden . Dazu gehören zum Beispiel medizinische Strahlenanwendungen oder die Nutzung von Strahlung in Konsumgütern oder bauartzuzulassenen Vorrichtungen. Bei der Prüfung geht es darum, den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder anderweitigen Nutzen gegenüber einer möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung abzuwägen.

Die Strahlenschutzverordnung enthält nun detaillierte Regelungen für dieses Prüfverfahren. Produkte oder Verfahren, die im Ergebnis der Rechtfertigungsprüfung als nicht gerechtfertigt gelten, können in einer Rechtsverordnung verboten werden.

Medizinischer StrahlenschutzEinklappen / Ausklappen

Äskulap-Stab

In der medizinischen Diagnostik und Therapie kommt zunehmend ionisierende Strahlung zum Einsatz. Durch technische Mängel oder menschliches Versagen können dabei Patienten und Patientinnen ungerechtfertigt einer zu hohen Dosis ausgesetzt werden. Damit aus solchen Fällen Lehren für die Zukunft gezogen werden können, sieht das neue Strahlenschutzgesetz zukünftig ein bundesweites Melde- und Informationssystem für bedeutsame Vorkommnisse in der Medizin vor. Die Strahlenschutzverordnung legt spezifische Meldekriterien und Meldewege im Detail fest.

Für Strahlenanwendung an Menschen in der medizinischen Forschung ist ein Anzeige- und Genehmigungsverfahren vorgesehen. Gegenüber den bisherigen Regelungen hat die Prüfung durch das BfS innerhalb genau festgelegter Fristen zu erfolgen Dadurch wird die Planungssicherheit für die Studienverantwortlichen sowie Deutschland als wichtiger Standort der medizinischen Forschung gestärkt, ohne den Schutz der Studienteilnehmer zu reduzieren

Kosmetische und sonstige nichtmedizinische AnwendungenEinklappen / Ausklappen

Eine Tätowierung wird mit einem Laser entferntLaser werden im professionellen Bereich bei der Entfernung von Tätowierungen verwendet

Die Anwendung von starken Lichtquellen, Ultraschallgeräten, Niederfrequenzgeräten, Hochfrequenzgeräten, Gleichstromgeräten und Magnetfeldgeräten im nichtmedizinischen Bereich, vor allem in der Kosmetik, ist mit Risiken verbunden. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des BfS ergab, z. B., dass bei knapp einem Fünftel der kosmetischen Behandlungen mit starken Lichtquellen bleibende Nebenwirkungen aufgetreten sind. Bei weiteren 40 Prozent kam es zumindest zu vorübergehenden Nebenwirkungen. Zu den bleibenden Nebenwirkungen zählen insbesondere Narben oder Pigmentveränderungen, also eine hellere oder dunklere Färbung der Haut.

Mit der Strahlenschutzverordnung wird der Einsatz optischer Strahlung, Ultraschall, elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder zu kosmetischen Zwecken daher erstmals klar geregelt. So sind Anbieter künftig verpflichtet, einen reibungslosen Betrieb ihrer Geräte zu gewährleisten oder ihre Kunden umfassend zu informieren. Besonders risikoreiche und komplexe Anwendungen dürfen künftig nur noch von Ärzten vorgenommen werden.

Grundsätzlich gilt: Wer Laser, starke optische Strahlenquellen, Ultraschallanwendungen, EMF-Anwendungen (elektrische, magnetische, elektromagnetische Felder) am Menschen zu nicht-medizinischen Zwecken einsetzt, benötigt solide Fach- und Sachkenntnisse, um mögliche Risiken erkennen und vermeiden zu können. Das BfS setzt sich daher für eine fundierte Ausbildung derjenigen Personen ein, die professionell solche Anwendungen in der Kosmetik anbieten.

Personen, die die kosmetischen Anwendungen an der Haut nicht in Facharztpraxen durchführen lassen, empfiehlt das BfS darüber hinaus, die Haut vor der Behandlung durch einen Facharzt untersuchen zu lassen, da die Behandlungen andernfalls womöglich eine Hautkrebsdiagnose erschweren könnten.

Stand: 19.10.2018

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